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Angst-Ei

Lustige Geschichte zu Ostern

Leute, Leute. Heute beim Frühstück bebte die Erde für einen Moment. Naja, zumindest bebte der Stuhl meiner Tochter, als sie sich über eines meiner täglichen Missgeschicke kaputtlachte. Als ich ahnungslos mein Frühstücksei aß, schmiss sie sich so sehr weg, dass ihr die Freudentränen über das Gesicht kullerten und sie vor lauter Euphorie einen Teil des soeben geschluckten Saftes wieder auf den Teller spuckte. Zum Glück auf ihren eigenen. 🤭

Was da Ultra-Absurdes passiert war, willst du wissen? Ich verrate es dir, aber nur, wenn du mir versprichst, nicht zu lachen – und wenn, dann nur mit etwas Saft im Mund. 😁

Nach dem legendären „Angst-Hasen“ wurde bei uns das „Angst-Ei“ geboren… Wie und warum? Lies selber…

Alsoooo…

Wie jeden Sonntag hatten wir den Frühstückstisch liebevoll gedeckt. Wobei ich sagen muss, dass wir dabei tendenziell in Perfektionismus verfallen. Auf gut Deutsch: Wir haben eine Tischdeck-Macke. Alles hat am Sonntags-Frühstückstisch seinen festen Platz. Und wehe, wenn nicht. Im Falle von „wenn nicht“ werde ich übrigens äußerst unruhig.

Mein Fressplätzchen ähnelt sonntags einem akkurat gefalteten Origami-Schwan. Nur ohne Papier. Und ohne Schwäne. Dafür mit Tellerchen, Gläschen, Besteckchen – und ab nächsten Sonntag sicherlich auch mit Lätzchen für kleckernde Muddis wie mich.

In einer Art Waldorf-Tanz richte ich jeden Sonntag also den Tisch her und achte darauf, dass an meinem Futterplatz alles wie mit dem Maßband verlegt steht bzw. liegt. Als Erstes stelle ich meinen Teller auf den einzigen Platz am Tisch, auf dem keine Krümel vom Vortag liegen. Der Platz ohne Krümel ist in der Regel meiner, denn ich kleckere nur auf meinen Teller, aber nicht daneben. Alle anderen hier sind die Schweine. 🤪

Rechts neben meinen Teller lege ich ein Brötchenmesser mit extrascharfen Zacken und einen kleinen, blitzblank polierten Löffel. Oberhalb des Tellers drapiere ich von links nach rechts in Reih’ und Glied den Eierbecher für das Sonntags-Ei, mein großes Wasserglas, ein kleineres Saftglas und meine Cappuccino-Tasse. Manchmal stelle ich auch noch eine Tasse Tee dazu, je nachdem, wie viel Zeit ich für das Frühstück habe und ob ich danach das Haus verlasse und somit die Gefahr besteht, dass nicht alle fünf Minuten eine Toilette zu finden ist.

Nachdem der Waldorf-Tanz abgeschlossen, der gesamte Tisch gedeckt ist und alle am Tisch sitzen, beginne ich damit, das Ei in zwei Hälften zu schlagen. In die kleine Oberhälfte und in die größere Unterhälfte. Du verstehst? Schon dabei stelle ich mich aber nicht besonders clever an, denn irgendwie zerbröselt die Schale fröhlich vor sich hin. Mit Glück ist das Ei einigermaßen hart gekocht, sodass mir nicht direkt alles entgegen und an den Händen herunter läuft. Die Kochzeit der Eier bestimme ich nach Gefühl, was generell ein Problemchen darstellt, da ich kein Zeitgefühl habe. Manchmal ist das Ei also noch fast roh, sodass mir sogar das Weiß entgegenrinnt. Ürrrgs. Und manchmal ist das Ei so hart gekocht, dass ich es förmlich mit dem Löffel aus der Schale prügeln muss.

Sobald ich das Ei auseinandergenommen habe, werden die kleinen losen Schalenstückchen, die sich am Eier-Rand befinden, abgepult. Es kann also gut und gerne zwei bis drei Minuten dauern, bis ich das Ei fertig präpariert habe.

Danach wandert die kleine Hälfte auf meinen Teller, um als Erstes ausgelöffelt zu werden. Die große Hälfte des Bio-Eis drapiere ich mit einer grazilen Bewegung im Eierbecher und dann wird gefuttert…

Heute war wirklich alles perfekt. Das Ei war medium gekocht, der Tisch war hübsch gedeckt, wir hatten dank des Waldorf-Tischdeck-Tänzchens sogar schon eine Sporteinheit hinter uns gebracht und die ganze Familie war beisammen. Sogar meine Katzen, Sir Peatnut und Königin Ursl I, saßen in der Nähe des Tisches und beobachteten vom Fensterbrett aus die Tauben „Kevin“ und „Anneliese“, die auf der anderen Straßenseite auf einem recht dünnen, sich stark durchbiegenden Ast eines Baumes scheinbar nach einem Adrenalin-Kick suchten. Anneliese sprang wie blöde auf dem Ast herum und Kevin versuchte, seinen fetten Körper im Gleichgewicht zu halten. Gurr, Gurr. Herrlich, oder?

Wenn da nicht dieses doofe „Angst-Ei“ gewesen wäre.

Angst-Ei ließ sich prima zerteilen und auch das Abpulen der Ministückchenrandschale lief reibungslos. Fast perfekt. Während ich die kleine Eierhälfte bereits auf den Teller gelegt hatte und die große Hälfte in den Eierbecher stellen wollte, veranstaltete meine Katze Königin Ursl I. allerdings ein kleines Kunststück. Soweit es kleinen Hängebauchkatzen eben möglich ist.

Wir beäugen das immer sehr genau, weil stets die Gefahr besteht, dass das kleine Bäuchlein durch seine Schubkraft die Mieze vom Fensterbrett schmeißt.

Doch heute hätte ich mich mal lieber nicht von der Königin ablenken lassen sollen, denn plötzlich machte es laut „Platsch“ – und mein Wasserglas beschloss aus irgendeinem, mir noch unerfindlichen Grund, auf mich zu „schießen“. Mein gesamtes Gesicht war nass gespritzt wie Kim Kardashian nach einer Champagner-Dusche.

Ach du Scheiße.

Alle lachten. Nur ich musste die Situation noch kapieren, was – zugegebenermaßen – manchmal etwas länger dauert. Ich hatte Angst-Ei nämlich nicht in den Eierbecher gestellt, sondern versehentlich in mein Wasserglas fallen lassen.

Wie gebannt schauten alle auf das Glas. Wie würde Angst-Ei reagieren? Würde es zum Rand schwimmen? Oder ersaufen? Würde Angst-Ei uns anmaulen? Oder würde es ganz cool reagieren, so als sei das gerade eben nicht passiert? Würde das Eiweiß sprudeln? Oder würde sich die Schale absprengen? Wer wusste das schon? Schließlich war Kohlensäure im Wasser.

„Damit wäre das Ei wohl abgeschreckt. Es wird für immer Angst vor Sprudelwasser haben,“ mutmaßte ich. Dabei erblickte ich mein geschocktes, ungeschminktes Gesicht – und meine zerzausten, ungekämmten Haare in dem kleinen Löffel, den ich in der Hand hielt. Und ich hatte das Gefühl, als hätte Angst-Ei für einen kurzen Moment um Hilfe gerufen.

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