Kurzgeschichten

Bei Schuberts

Bei Schuberts - Lustige Kurzgeschichte

Frau Schubert stand in der Kochnische,

kochte Klöße, Rotkraut, Kasseler, Soß‘,

als hinter ihr es plötzlich zischte,

um Himmels Willen, was war das bloß?

 

Sie zuckte zusammen, doch kochte dann weiter.

Trotz des komischen Summens war die Stimmung ja heiter.

 

Frau Schubert kochte jeden Tag.

Ihren Mann konnte sie dafür wenig begeistern.

Meistens schmeckte das Essen fad.

Mit ihren Soßen konnte man Tapeten kleistern!

 

Sie wusste um ihre Künste, doch scherte sich wenig.

„Eine andere Köchin findet der Depp ja eh nich‘!“

 

Frau Schubert kochte nie aus Liebe,

Gewohnheit und Hunger waren ihr Motiv.

Man könnte sagen, sie hatte komische Triebe,

und an diesem Tag ging es extrem schlimm schief …

Sie rührte noch immer munter im Topf,

doch auf das Zischen von vorhin folgte ein Hämmern im Kopf.

 

Auch in ihrem Hals fing‘s an zu kratzen.

Sie fühlte sich ganz eingeengt.

Als würde ihr die Brust gleich platzen.

Darauf mal noch ‘nen Wein eingeschenkt.

 

Denn Wein, Schnaps, Bier müssen beim Kochen ja sein!

Frau Schubert schenkt sich gern einen ein.

 

Sie ist Gewohnheitstier, von frühester Jugend an,

sowohl beim Trinken als auch beim Kochen.

Der Depp und die Kinder finden keine Freude daran.

Inzwischen hat‘s in der Wohnung zudem komisch gerochen.

 

Frau Schubert scherte das Ganze herzlich wenig.

Sie nahm noch ‘nen Schluck. Besser zu viel als zu wenig!

 

Der Geruch in der Luft war sehr intensiv.

Er verdickte sich merklich und bescherte ihr Tränen.

Irgendwas sagte ihr: Hier läuft etwas schief.

Noch einmal rühren und ‘nen Schnaps in die Venen.

 

Es roch leicht vergoren, nach faulen Eiern und Maden.

Der Kasseler in der Pfanne hing am seidenen Faden.

 

Frau Schubert war‘s zwar unbehaglich,

doch schmiedete sie schon Pläne fürs Essen für morgen.

Ob das besser werden würde, ist fraglich,

Herr Schubert machte sich darüber schon Sorgen.

 

Er wollte einfach nicht mehr, wusste schon vor Jahren genau:

„Irgendwann bringt‘s jemanden um, das Essen meiner Frau!“

 

Frau Schubert wurde der Ernst der Lage klar.

Ihr zitterten schon Hände und Beine.

Und im Topf machten sich schon die Klöße rar.

Sie griff zum alten Telefon, so eins mit Leine.

 

Sie tippte mit zuckenden Fingern die Nummer der Feuerwehr:

„Kommen Sie bitte mal ganz schnell zu mich her! …

In meiner Küche riecht es stark vergoren.

Das Rotkraut, das ist schon ganz grün.

Ich wollte doch nur den Braten schmoren

und dabei mir ein Weinchen glüh‘n.“

 

„Wir sind unterwegs, bitte verlassen Sie das Haus!“

Frau Schubert sprang aus dem Fenster hinaus.

 

Schuberts Wohnung lag im vierten Stock.

Ihr Aufprall war wenig appetitlich.

Für die Nachbarn war es ein riesiger Schock.

Herr Schubert schaute aus dem Fenster ganz friedlich.

 

Der hinzugerufene Notarzt konnte nichts mehr tun.

Frau Schubert sollte in Frieden ruh‘n.

 

Herr Schubert wurde nun besonnen,

doch in klaren, deutlichen Worten

von der Polizei vernommen,

um den Unglücksfall zu orten.

 

„Gepupst hab‘ ich vom Frühstück mit Rührei-Speck-Bohnen in Rum,

heimlich, hinter dem Rücken meiner Frau.

Ich hab‘ ihr immer gesagt: Irgendwann bringt uns ihr Fraß noch mal um.

Und so war es leider. So ganz genau.“

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