Blog -Emily-VersumKurzgeschichten

Großstadtpuppenhaus

Lustige Geschichte für Erwachsene

Noch vor einiger Zeit habe ich auf dem Land gelebt. Richtig Land. Am Ende der Erdscheibe. In einem Dorf mit etwa 130 Einwohnern.

Du kannst dir also vorstellen, dass es für mich erst einmal ein kleiner Kulturschock war, als ich in die Großstadt zog. Doch ich liebe es hier. Ich kann hier auf offener Straße husten und laut singen, und keinen interessiert es. Ich könnte theoretisch auch nackt über die Straße laufen oder betrunken beim Bäcker ein halbes Kamel bestellen. Im Prinzip läge auch das noch im Rahmen der „Wir-tolerieren-hier-alles-und-jeden“-Philosophie. Vielleicht mache ich das ja mal bei Gelegenheit. 🤪

Was mich aber wirklich fasziniert, ist der Ausblick von meinem Balkon auf meine Nachbarn im Hinterhaus. Abends sitze ich manchmal mit einem Glas Grünkohl-Limonade mit einem Hauch Lemongrass (natürlich nicht!) auf meinem gemütlichen Balkonstuhl und ziehe mir völlig begeistert das Spektakel rein …

Unglaublich, was sich hier so auftut und wie gut man das alles sieht aus ein paar Metern Entfernung. Als ich neulich gemeinsam mit meiner Tochter Frieda ganz unauffällig mit einem Fernglas in die Wohnung der Müllers schaute, konnte ich sehen, dass Frau Müller einen Mann bei sich hatte, der Herrn Müller so gar nicht ähnlich sah. Sie kochten auch keinen Kaffee. So viel ist sicher.

Auch, was sich bei den Nachbarn vom Schnaps-Balkon so auftut, ist überaus amüsant. Erst neulich hat Erika – die alte Dame, die mit ihrem Rollator bis an die Türschwelle rollt, um sich dann mit ihrer Flasche Korn auf die Bank krachen zu lassen – ihre Oma-Unterhose zum Trocknen über die Balkonbrüstung gehängt. Nur so viel: Die Oma-Unterhose war knallrot und hatte Rüschen. Das passt wiederum nicht zu dem ekelerregenden Gesamteindruck, den Erika im Allgemeinen macht. Oder anders ausgedrückt: Ihr fettiger Dutt und die von Motten zerfressenen Klamotten deuten nicht gerade darauf hin, dass ausgerechnet DIESE Oma Spitze darunter trägt. Und auch der Geruch, der aus ihrer Richtung in mein Wohnzimmer zieht, spricht eindeutig eher für ungewaschene Baumwollschlüpfer in Uringelb.

Wie sich später herausstellen sollte, war es auch nicht IHR Schlüpfer, denn sie pöbelte ihren muffigen Mann ganz fürchterlich an, dass er fremdgehen würde. Gleichzeitig kicherte die alte Heitmann, die über mir wohnt, fröhlich vor sich hin und meinte, ihr Plan habe funktioniert …

Hier ist also wirklich immer etwas los.

Und als ich da so saß mit meinem Bio-Grünkohl-Lemongrass-Getränk, das in Wirklichkeit ein Glas Sekt war, der fürchterlich knallte, stellten Frieda und ich amüsiert fest, dass diese vielen beleuchteten Fenster, hinter denen unsere Nachbarn allerhand Albernes, Peinliches und Merkwürdiges taten, wirkten wie ein übergroßes Puppenhaus.

Das Großstadtpuppenhaus!

Und da dieses Großstadtpuppenhaus mit all seinen vermackten Bewohnern überaus amüsant ist, möchte ich dich in Zukunft gern auf dem Laufenden halten, was hier so alles abgeht.

Bist du dabei? 😁

Jetzt bist du dran

Und deine Nachbarn so? Wie lebt es sich mit ihnen? Schreib doch mal einen Kommentar. Ich freue mich drauf. 😊

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