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Kinderhort im Altenheim

Geschichten zum Lesen lustig - Emily Chuck

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Als Frieda vier Jahre alt war, hatte ich außerplanmäßig einen wichtigen Termin wahrzunehmen, den ich nicht hätte verschieben können. Das stellte mich vor eine dieser Herausforderungen, vor denen Mütter öfter stehen: Wohin, zum Geier, mit dem Kind?

Mitnehmen war keine Option, da es sich um einen geschäftlichen Termin handelte. Sie allein zu Hause zu lassen, schien mir ebenfalls keine clevere Idee zu sein. Ich würde hinterher ansonsten weder meine Wohnung noch mein Kind wiedererkennen. Eventuell wäre Frieda auch verschwunden gewesen.

Ich brauchte Plan B. Und dieser besagte: Bringe Frieda bei einem Babysitter unter!

Dies war leichter gesagt als getan. Alle seriösen, adäquaten Persönchen waren bereits anderweitig verplant. Die einzige Möglichkeit, die ich hatte, war, Frieda bei meiner verrückten Tante Helga abzugeben…

Witzige Geschichten für Erwachsene

 

Weißt du, was das Problem an der Sache war? Tante Helga! Sie ist alt, durchgeknallt, hochgradig peinlich, leichtsinnig, ein absoluter Klugscheißer und teilweise senil. Du kannst dir vorstellen, dass mein Herz bei dem Gedanken daran, die alte Frau als Babysitter zu engagieren, knietief in die Hose rutschte. Zeitweise fragte ich mich, wer der bessere Babysitter sein würde: Tante Helga für Frieda? Oder meine Tochter für die merkwürdige Alte in Kittelschürze?

Zwei Tage später war er da, der große Tag. Nachmittags um zwei gab ich mein Kind bei meiner Tante ab, die zwei Häuser weiter wohnt. Ich vergleiche ihre Wohnung gerne mit einem Altenheim. Es gehen viele Alte aufrecht rein, um später in waagerechter Position wieder rauszukommen. Keineswegs tot. Aber sturzbesoffen! Du glaubst nicht, wen ich dort alles treffe, und was ich da zu sehen bekomme.

Ich möchte dich nicht vergraulen. Deshalb an dieser Stelle nur ein kleiner Einblick: Sex im Alter ist dort leider kein Tabu. Halb nackte Frauen über 70 ebenfalls nicht. Ich bekomme alleine beim Gedanken daran Gänsehaut vor Ekel.

Tante Helga wirkte an besagtem Tag froh, heiter und nüchtern. Und sie war – oh Wunder – vollständig bekleidet. Stilecht in Kittelschürze und Jesuslatschen, wie immer, wenn sie ausnahmsweise mal angezogen war. Für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl gehabt, Frieda sei in guten Händen. Ich Idiotin!..

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Drei Stunden später stand ich erneut vor Tante Helgas Haustür, um mein Kind abzuholen. Unangenehm laute Geräusche drangen durch die Wände. Irgendein Lied von Heino. In Kombination mit dem Gegröle einer Alten und dem schrillen Gekreische „Blau blau blühta Entenzahn“ einer Vierjährigen.

Hier blüht definitiv was blau, dachte ich. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es der „Entenzahn“ ist oder meine angetrunkene Tante Helga.

Wie sich herausstellte, war tatsächlich ein blauer Entenzahn im Spiel. Der Zahn einer Quietsche-Ente, die im Badezimmer auf dem Wannenrand hockte, während Frieda – mit einem Duschhäubchen bekleidet – dabei war, mit einem fetten, wasserfesten Stift die übrigen Enten zu verzieren. Sie saß in der Badewanne, die statt mit Wasser mit jeder Menge Konfetti-Streifen aus Wachstuch befüllt war. Und mit Weintrauben, Milch, Knete, Murmeln, Chips und Cornflakes. Neben der Blauzahn-Ente stand ein großer Becher, in dem ich die Reste von Cola erspähte. Schlagartig wurde mir klar, weshalb Frieda derart aufgedreht war.

Ich regte mich fürchterlich darüber auf, was hier abgegangen sein musste. Dabei versuchte ich, mein Kind aus dem Wannen-Chaos zu angeln. Plötzlich fiel mir auf, dass Tante Helga und Heino endlich die Klappe hielten. Zum Glück.

Ich stiefelte in die Küche, um nach der alten Frau zu schauen. Sie saß an ihrem kleinen Küchentisch und schien verzweifelt. Sie kippte sich einen Kurzen rein, starrte mich an und sagte: „Niemals wieder. Ich wiederhole: Niemals wieder passe ich auf dieses Kind auf.“

„Um Gottes willen, Tante Helga. Was ist denn passiert? Hat sie dich beim Trinken gestört? Oder beim Mensch-ärgere-dich-nicht mit den anderen Halbtoten? Oder war dein Mittagsschläfchen in Gefahr?“

„Neeeiiin!“, fauchte Tante Helga, stand auf und fuchtelte mit ihren dicken Armen vor mir herum. „Diese Frieda, dein Kind, treibt mich in den Wahnsinn. Sie hat – und das musst du dir mal vorstellen – meine heißgeliebte Wachstuchtischdecke zerschnitten. Es ist nur noch ein ausgefranzter, kleiner Lappen übrig.“

„Mensch, das ist ja fast wie neulich, als du die hübschen Deko-Steinchen von unserer Lampe abgeschnitten hast. Du wolltest damit deine gruselige Kittelschürze pimpen. Oder wie damals, als du dir ein Stück Stoff aus meiner Blümchen-Gardine geklaut hast. Daraus wolltest du dir einen Schlübber nähen. Oder wie das eine Mal, als du das Fell meiner Katzen gekürzt hast. Du brauchtest ein flauschiges Innenfutter für deine neuen Handschuhe.“

„Nein, das hier ist anders. Meine schöne Wachstuchdecke. Und dein Kind, Emily, dein Kind lässt sich überhaupt nicht bändigen. Ich dachte, wenn ich sie zum Schlafen bekomme, hab‘ ich endlich Ruhe. Also hab‘ ich ihr jede Menge Obst, Süßigkeiten, Chips und Cornflakes gegeben. Und Cola zum Nachspülen. Aber…“, sie stampfte mit ihrem rechten Wabbel-Bein in aller Kraft auf, „dieses Kind schläft einfach nicht. Niemals! Ich habe sogar Musik von Heino aufgedreht, in der Hoffnung, es würde sie schläfrig machen. Aber das brachte den kleinen Satansbraten nur noch auf weitere dumme Ideen. Hast du meine Quietsche-Enten gesehen? Die sehen aus wie die Blue Man Group.“

„Tja, Tante Helga. In welchem Universum sind Cola und Heino auch eine gute Idee, jemanden zum Einschlafen zu bringen? Das regt höchstens zu Aggressionen an.“ Ich lachte lauthals.

 

Frieda hatte in den letzten drei Stunden exakt das Chaos fabriziert, das Tante Helga normalerweise veranstaltete, wenn ich sie betreue. Frieda hatte heute also riesigen Spaß gehabt.

Es stimmte mich seeehr fröhlich, dass sich Tante Helgas kleine Sünden auf diese Weise endlich gerächt hatten. Yeaaah!

Jetzt bist du dran

Ist dir so etwas auch schon mal passiert? Schreib doch mal einen Kommentar. Ich freue mich drauf. 😊

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