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Mutti-Panik

Mutti-Panik - Kurzgeschichte von Emily Chuck

Humoristische Kurzgeschichte

Mutti-Panik

Meistens spielt das Leben vor allem eins: verrückt. Und das Kuriose daran ist, dass wir es uns selbst unnötig schwer machen.

Jede Mutter kennt dieses Phänomen: Das Kind pupst, und wir begeben uns sofort auf Spurensuche. Im blödesten Fall braucht Selina schließlich einen neuen Schlübber, weil das aktuelle Modell eine Schleifspur oder gar Schlimmeres offenbart. Dabei ist das Mädel zehn Jahre alt und trifft eigene Entscheidungen. Selina selbst schert sich einen feuchten Furz darum. Sie zieht sich lieber die neuesten YouTube-Videos rein.

Ebenso interessiert es Moritz Herbert Michael nicht im Geringsten, ob er den Popel essen darf oder nicht. Wir hingegen meckern und motzen: „Nein! Iss das nicht!“ Doch wir sind nicht schnell genug. Moritz Herbert Michael hat den Rollpopel …

Humoristische Kurzgeschichte

bereits mit munterer Miene genossen, während wir dessen Vornamen in die richtige Reihenfolge zu bringen versuchen.

Genau diese Ungechilltheit brachte Simone, Michaela, Regina, Samantha und mich am ersten Schultag unserer Kinder in der neuen Schule auf eine geniale Idee: Wir brauchten eine WhatsApp-Gruppe, in der wir uns über die Schule – und vor allem über unsere Kinder – austauschen konnten.

So weit, so gut. Blitzschnell erstellte Simone die „Neue Schule“-Gruppe.

Keine drei Stunden später, in meiner Mittagspause, schaute ich auf mein Smartphone und verspürte schlagartig Atemaussetzer: 32 neue Nachrichten. Eine von Gerda aus der Nachbarwohnung, die ich für den Moment ignorierte. Die anderen 31 von „Neue Schule“.

Herzrasen! Rote Pusteln im Gesicht! Schweiß auf der Stirn!

Ich atmete kurz durch und las die gesammelten Werke.

Nachdem ich auf die Fragen „Versteht ihr den neuen Stundenplan?“, „Wann ist denn morgen Schulbeginn?“, „Müssen die Kinder morgen das Hausaufgabenheft mitbringen?“, kurz und knapp mit „Nein. Ich glaube, um sieben Uhr. Ja klar“, antwortete, trafen bereits zwei Gegenfragen ein. Unfassbar!

Nach weiteren zehn Fragen und Antworten beendete ich meine Mittagspause mit einer Erkenntnis: Ich würde im Nu genauso schlank wie Heidi Klum sein, wenn wir dieses tägliche Pensum dauerhaft beibehielten. Zum Essen kam ich nämlich nicht. Ich überflog daher den Rest und kommentierte lediglich die Nachricht: „Bin heute Abend gegen 19 Uhr bei dir. Trage deine Lieblingsdessous!“ mit der Gegenfrage: „Samantha, wieso trägst du die Unterwäsche deines Mannes?“

Somit hätten wir geklärt, was Samantha in ihrer Freizeit macht. Vier Muttis bekommen diese Bilder mit Sicherheit für die nächsten 13 Jahre nicht mehr aus ihren Köpfen …

Humoristische Kurzgeschichte

… Am Abend, als ich endlich zur Ruhe kommen wollte, erblickte ich das nächste Gruppen-Chaos auf meinem Telefon. 123 neue Nachrichten aus der „Therapie-Gruppe“ und eine weitere wurde gerade getippt. „Timo hat den Jochen gehauen“, „Larissa hat ihren Schulranzen im Klassenraum vergessen“, „Versteht ihr den neuen Stundenplan?“, „Der neue Lehrer ist ganz nett oder?“, „Wann beginnt denn nun morgen die Schule?“ „Brauchen die morgen die Sportsachen?“ „Der Jochen hat den Timo vorher gekratzt. Morgen kläre ich das mit dem Jochen mal von Mutter zu Arschlochkind“.

Ich amüsierte mich eine ganze Weile über diesen Schwachsinn, den wir Muttis fabrizieren. Nicht eins dieser Probleme war für unsere Kinder wirklich gravierend, aber uns Glucken raubte es die letzten Nerven. Deshalb kommentierte ich mit einem Daumen-Hoch-Emojy für das Arschlochkind Jochen und einem „Mh“ und änderte den Namen der Gruppe in „Mutti-Panik“. Dies schien mir einfach treffender.

Ein Poltern im Hausflur holte mich aus meiner WhatsApp Welt. Ich öffnete die Tür. Meine Nachbarin Gerda wurde in einem Sarg abtransportiert. Verzweifelt öffnete ich ihre Nachricht vom Mittag: „Hilfe! Nussallergie!“

Humoristische Kurzgeschichte

6 Gedanken zu „Mutti-Panik

  1. lustig. Hätte man Gerdas Ableben verhindern können? Vermutlich ja, aber dann hätte es diese Geschichte nicht gegeben. Puh, ich hoffe mal, es ist nur eine Geschichte. 😉

    Liebe Grüße, Claudia

  2. Glücklicherweise ist das mit der Schule bei uns gegessen…
    Nicht vorzustellen, wenn es damals WhatsApp gegeben hätte. Warscheinlich säße ich als Rabenmutter bei Gerda mit Kaffee und (Nuss)Kuchen 😉
    Danke für diese sehr lustige Geschichte.

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