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Nobody‘s perfect – und ich bin eine wandelnde Katastrophe

Nobody lustige Geschichte

Kennst du diese Menschen, in deren Leben immer glatt läuft? Die alles können? Die ihr Leben vollkommen im Griff haben? Denen scheinbar alles in den Schoß fällt?

Ich gehöre NICHT zu diesen Menschen. 😂

Wirklich. Es gibt nur EINE Sache, die ich richtig gut kann: lustige Geschichten schreiben!

Bei allen anderen Dingen im Leben sieht es echt mau aus.

In meiner Geschichte „Talentlose Zeiten stehen mir bevor“ hatte ich dir ja vor einiger Zeit schon beschrieben, dass ich schlichtweg nicht in der Lage bin, mein Auto zu betanken. Zumindest nicht auf die „korrekte“ Weise.

Das war aber längst nicht das Einzige, was ich nicht kann…

Ich kann zum Beispiel auch ganz toll nicht ruhig bleiben. Vor allem beim Autofahren. Meine Tochter würde mein Verhalten im Straßenverkehr mit einem einzigen, aber seeeeehr treffenden Begriff beschreiben: Auto-Tourette!

Vor allem Schleicher gehen mir auf die Nerven. Und Raser. Und Autofahrer, die herumgurken. Kennst du diese Gurken-Fahrer? Sie trödeln und eiern auf der Straße herum, als wären sie allein unterwegs. Bei Gelegenheit legen sie auch gern ohne Vorwarnung eine Vollbremsung hin, nur weil sie gerade Tante Erna am Straßenrand entdeckt haben und ihr etwas Dringendes berichten müssen. Kurzum: Alle doof – außer mir.

Die einzige Ausnahme stellt sich übrigens dar, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin. Logischerweise sind dann die Autofahrer die … ähm … Dummen. Das kennst du doch auch? Gib es schon zu.

Aber mal im Ernst: Schlecht Radfahren kann ich wirklich sehr gut. Damals beim Radfahrtraining in der Schule mussten wir über ein Brett fahren. Der Länge nach. Jetzt darfst du einmal raten, was ich nicht hinbekommen habe: Richtig! Über das Brett zu fahren. Der Länge nach. In diesem Fall war ich also der Gurken-Fahrer … auf einem DDR-Klapprad.

Und was das Allerschärfste daran war: Weißt du, warum das Klappfahrrad „Klappfahrrad“ heißt? Weil es zusammenklappt, wenn man den Riegel nicht verschließt. Offensichtlich hielt mein Papa es für komisch, genau diesen Riegel nicht zu verschließen und mich mit dem Rad zur Schule zu schicken. Pünktlich in der Fahrradprüfung klappte ich mit dem Scheißding zusammen und fiel in Zeitlupe einfach zur Seite um. Wie ein bekiffter Pinguin.

Du glaubst, das war das schlimmste Erlebnis an diesem Tag?

Leider falsch! …

Wie sich herausstellte, kann ich mit dem Rad auch nicht scharf rechts herum abbiegen. Links herum lief prima. Rechts herum lief – oder besser FUHR – ich geradewegs gegen die Hauswand und brachte mir eine gigantische Schramme an der Stirn ein. Noch heute habe ich Angst vor grob verputzten Wänden.

Und vor Gesichtern.

Okay, ich habe nicht direkt Angst vor Gesichtern. Ich kann sie mir nur nicht merken. Kurzum: Ich habe ein gewaltiges Problem mit der Gesichtserkennungs-Software in meinem Kopf. Es kommt durchaus vor, dass mich Menschen in freier Wildbahn darauf ansprechen, wie die Silvesterparty war, und ich dann zwar kurz angebunden antworte: „Joa, viel Alkohol, wa?“ Aber in meinen Gedanken rattert und knattert es auf der Suche nach dem Menschen, dem dieses Gesicht gehören könnte. Nennen wir dieses Phänomen einfach „Gesichts-Alzheimer“.

Nimm es mir also nicht übel, wenn ich an dir vorbeilaufe, ohne dich zu grüßen. Dein Gesicht ist dann leider nicht außergewöhnlich genug, um es mir einzuprägen. Oder anders gesagt: In deiner Suppe schwimmt kein Haar. Nicht, dass das schlecht wäre… 😃

Wie du siehst, bin ich in so mancher Hinsicht talentbefreit. Das gilt übrigens auch für das Schreiben.

Okay, du denkst wahrscheinlich gerade völlig zu Recht: Ist die Emily wirklich so verpeilt? Sie hat doch gerade noch behauptet, schreiben könne sie gut.

Das stimmt nicht soooo ganz. Ich kann zwar tolle Geschichten erfinden und in Worte fassen, aber sowohl die Kommasetzung als auch die Zeitformen treiben meiner Lektorin so manches Mal die Schweißperlen auf die Stirn – und wahrscheinlich nicht nur DA hin.

Wirklich: Ich gebe mein Bestes. Aber auch dieses Desaster hat seinen Ursprung bereits in der Schulzeit gehabt. Der Deutschunterricht war mein absolutes Lieblingsfach, weshalb ich auch regelmäßig Top-Noten hatte. Die einzigen zwei Sechser, die ich während meiner Schulzeit jemals bekommen habe, waren für eine miserable Kommasetzung und für Zeitformen-Hickhack.

Meine Lehrerin ließ mich beide Arbeiten sogar nachschreiben, weil sie glaubte, es sei ein Versehen gewesen. Was soll ich sagen: Es war leider keins. Noch heute setze ich Kommas nur nach Gefühl und springe fröhlich in den Zeitformen hin und her.

Wenn du bis heute den Sinn des Titels „Zurück in die Zukunft“ nicht verstanden hast – was keine Schande ist, denn ich verstehe ihn auch nicht –, weißt du jetzt, wie sich meine Lektorin fühlt, wenn sie meine Geschichten liest. 😝

Du siehst, ich bin gesegnet mit Talentlosigkeit, und zwar konsequent durch alle Lebensbereiche.

Aber das absolute Highlight habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Es ist mir unglaublich peinlich, dir verkünden zu müssen, dass ich eine Sache auf allerhöchstem Niveau überhaupt nicht kann. Da du niemals errätst, was das sein könnte, weil selbst ein Dreijähriger, ein Schimpanse oder ein dreijähriger Schimpanse es besser können, möchte ich dich nicht lange auf die Folter spannen:

Ich kann keine Schleifen binden.

Meine Eltern sind damals – es muss kurz vor meinen ersten ungeschickten Radfahr-Erfahrungen und kurz nach der Erkenntnis, dass dieses Kind (ich) niemals krabbeln können wird –, daran verzweifelt, mir das Schleifenbinden beizubringen.

Theoretisch weiß ich zwar, wie eine korrekte Schleife gebunden wird, praktisch besteht aber scheinbar ein Kommunikationsproblem zwischen meinen kleinen, dicken Wurstfingern und meinen Synapsen im Oberstübchen. Ich habe schon die tollsten Dinge kreiert: Doppelknoten, die nur noch mit einer Schere zu öffnen waren, Knoten, an denen man hätte ein Boot befestigen können und Gebilde, die aussahen wie Strichmännchen. Aber all das ist weit entfernt von Schleifen.

Da ich aber nicht (ganz) doof bin, weiß ich mir seither sehr gut zu helfen. Nein, nicht mit Klettverschluss. Ich binde die Schleifen, indem ich zwei Schlaufen übereinanderlege und dann einen Knoten mache.

Aber du kannst dir sicher vorstellen, wie verrückt das Gefühl war, als meine Tochter damals mit vier Jahren versuchte, mir – ihrer MUTTER – das Schleifenbinden beizubringen. 😂

Das ist cool

Diese und viele andere meiner Geschichten findest du auf Instagram in einer abgewandelten Form. Wenn du beispielsweise wissen möchtest, was die Schleifen zu meinem kleinen Problemchen zu sagen haben oder wie sich das Komma fühlt, das ich immer an die falsche Stelle packe, schau doch einfach mal auf Insta vorbei. 😊

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