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Sonntagabends halb zehn in Deutschland

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Kinder sind ein Geschenk Gottes. Oder dessen Versuch, Eltern in den Wahnsinn zu treiben, ohne dass direkte Rückschlüsse auf sein Mitwirken gezogen werden können. Ich bin mir da nicht sicher.

Vor einigen Jahren – Frieda war in der dritten Klasse – stand sie am Sonntag, abends um halb zehn, vor mir. Sie teilte mir mit, dass ich bis zum nächsten Morgen einen Kuchen backen müsse.

Zwei Randnotizen an dieser Stelle, um die Dramatik dieser Geschichte zu verdeutlichen. Erstens: Frieda sollte um diese Zeit längst im Bett liegen und selig schlafen. Zweitens: Ich hörte in dem Augenblick zum ersten Mal von diesem scheiß Kuchen.

Ich wiederhole es gerne erneut: Es war halb zehn. Am Sonntagabend. Abgesehen davon war ich vollkommen in meine Arbeit vertieft. Ich hatte keine Nerven für den bescheuerten Kuchenbasar. Die Lehrer ließen sich den ohnehin nur einfallen, um Kohle für die anstehende Klassenfahrt ins Wildgehege zu sammeln.

Ich schickte Frieda zurück ins Bett. Danach stampfte ich in die Küche, um dort nach geeigneten Zutaten für den ungeplanten Kuchen zu kramen. Das Problem: Ich fand im Prinzip alles – bis auf Butter, Zucker, Mehl und Eier. Doch ohne Butter, Zucker, Mehl und Eier konnte ich keinen Kuchen backen. Ich überlegte kurz, ob ich stattdessen Schweineschmalz, Salz, Ketchup und Chips verwenden könnte. Aber es sollte ein Kuchen werden und kein … weiß ich auch nicht, was.

Plan B besagte, ins Auto zu steigen, um einkaufen zu fahren. Doch das ist schwierig, wenn du auf dem Dorf am Arsch der Welt wohnst. Das gilt erst recht, wenn es halb zehn am Sonntagabend ist…

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Plan C musste demzufolge herhalten, aber der schien mir noch unangenehmer zu sein. Er setzte nämlich voraus, dass ich an diversen Haustüren im Dorf klingeln müsste, um nach Butter, Zucker, Mehl und Eiern zu betteln. Um halb zehn! Am Sonntagabend!

Weißt du, was das bedeutete? Ich meine, abgesehen davon, dass jetzt feststand, dass mich die Leute für eine Rabenmutter halten würden? Das bedeutete nämlich auch, dass sie mich für eine überforderte Mutter hielten, die es nicht schaffte, pünktlich den beschissenen Kuchen zu backen. Und obendrein würden sie mich womöglich für eine schlechte Hausfrau halten. Ich meine, wer hat bitte weder Butter noch Zucker, Mehl und Eier im Haus? Du etwa?

Ich möchte dir kurz erklären, was es ansonsten bedeutet, um – inzwischen zehn Uhr am Sonntagabend – an fremden Dorf-Haustüren zu klingeln:

Hinter Tür A erwartet dich ein halb nackter Alter mit Bierflasche am Maul.

An Tür B schreit es: „Komm rein!“ Doch wenn du das Haus betrittst, erblindest du schlagartig. Das liegt daran, weil Tante Helga statt der üblichen Kittelschürze nur einen Oma-BH und einen ausgeleierten Schlübber trägt. Früher – so um 1945 – könnte der mal weiß gewesen sein…

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An Tür C öffnet dir ein rülpsender, nach Schweiß stinkender Bauer. Er ist auf dem Weg in den Stall, um seine Schweine bettfertig zu machen.

Und hinter Tür D steht Karl-Heinz in einem Bratwurst-Kostüm. Seine Frau Hildegard ist als Pommes verkleidet. Sie versucht im Hintergrund, mit dem Staubwedel schlagend, die Ziege vom Sessel zu scheuchen. Ich hab‘ mich lange gefragt, warum. Aber mir fiel beim besten Willen keine erklärbare Lösung dazu ein.

Wenn du um zehn Uhr an einem Sonntagabend an fremden Türen klingelst, passiert Folgendes: Du gehst für die nächsten zehn Jahre zu einem Sitzkreis der Anonymen Klingelgeschädigten. Anders wirst du dieses einschneidende Trauma nicht los.

Glücklicherweise hatte ich nach meinem Bettelzug durch Kleinkleckersdorf Mehl, Butter, Zucker und Eier zusammengesammelt und backte den verdammten Kuchen.

 

Eine Stunde später war das Werk – mehr schlecht als recht – vollbracht. Der Gedanke, dass der Kuchen nicht für eine Hochzeitsfeier war, sondern für die popeligen Rotznasen aus der Grundschule, beruhigte mich. Nichtsdestotrotz musste ich endlich an den Schreibtisch, um meine liegengebliebene Arbeit aufzuholen.

Dort angekommen, fand ich einen Zettel in der krakeligen Handschrift einer Siebenjährigen mit den Worten: „Scheise Mama, Kuchenpasar macht die zweide Klase.“

Jetzt bist du dran

Ist dir so etwas auch schon mal passiert? Schreib doch mal einen Kommentar. Ich freue mich drauf. 😊

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